Chronik des Ortsverbandes Heidelberg

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Angefangen hat es eigentlich schon bald nach dem Krieg in den Jahren 1945 und 1946. Unter den damals schwierigen Umständen war jedoch der Kontakt zwischen "Gleichgesinnten" schwer herzustellen. War doch jeder damit beschäftigt, zunächst zu sich selbst zurückzufinden! Viele waren noch nicht zurück aus dem Krieg, viele andere, die ihre Heimat verlassen mussten, kamen hinzu. Obwohl Heidelberg fast unzerstört geblieben war, hatten seine Bürger doch wie überall unter den Folgen zu leiden. Für ein Steckenpferd blieb kaum Zeit, wenn auch mancher im Organisieren von lebenswichtigen Dingen eine Hobby-Meisterschaft erreichte!

Doch langsam fand man sich auch in Heidelberg zusammen. Durch die Gründung des Württemberg-Badischen-Radio-Clubs am 14.08.1946 kam auch Bewegung in die Reihen der Funkinteressierten. Die "alten Hasen" der Kriegszeit wie der unvergessene D4UHU, OM Klotz, OM Faul und OM Dr. Schäffner hielten sich allerdings zurück. Andere kamen und gründeten dann unter Leitung von OM Peter Müller den OV Heidelberg im WBRC. Der Vorsitz lag damals in Händen von Egon Koch, DL1HM aus Stuttgart, der den OV Heidelberg mehrere Male besuchte und Vorträge hielt.

Erste Mitglieder im OV waren u.a. Karl Manger, Gerhard Hänßgen, Arthur Rufenach, Walter Arnold, Fred Müller, Karl-Ludwig Weiner und Wolfgang Gruhle. Mit Beginn des Jahres 1947 wurde Unterricht im Gasthaus 7 Linden in der Rohrbacherstraße abgehalten. Hiermit begann die eigentliche Arbeit im OV Heidelberg. Als Lehrer stellten sich die OMs Trainis, Steiner, Windel und Wollweber zur Verfügung.

Am 31. Juli 1947 kam der OM Sütterlin nach Heidelberg und übernahm den Ortsverband. Er lenkte seine Geschicke für die nächsten 15 Jahre. Bald gesellten sich zum OV die OMs Heidel, Mühl, Bonsen, Märker, Nirk und Reinhold. Auch die OMs Sigmund, Gutknecht, Frölich und Kerber waren im ersten Jahr dabei. Dank der Vermittlung von Otto Mai vom Funkstörungs-Meßdienst der DBP konnte der Unterricht ab Ende 1947 im Schulungsraum der Hauptpost durchgeführt werden. Der OV hatte zu dieser Zeit etwa 25 Mitglieder.

Gegen Ende dieses Jahres begannen Fred Müller und Herwart Sütterlin ihre halboffizielle Sendetätigkeit auf dem 80-meter-Band mit den Rufzeichen DA 1 DM und DA 1 DB. Aber auch auf dem 2-meter-Band wurden in Heidelberg die ersten Gehversuche mit Pendlern und selbstschwingenden Senderendstufen gemacht.

Im folgenden Jahr wurde der Unterrichtsraum in der Post für dienstliche Zwecke benötigt, wir mussten uns nach einer anderen Bleibe umsehen. Wir versuchten zunächst im Nebenzimmer des Gasthauses "Goldener Hecht" an der Alten Brücke den Unterricht fortsetzen. Die Wirtshaus-Umgebung lag den meisten jedoch nicht sonderlich. Jeder wollte seine Groschen lieber für den Aufbau einer Station ausgeben! Weniger Monate später - es war wohl mittlerweile Anfang 1948 - kündigte uns der Wirt den Raum mit dem Bemerken, es werde nicht genügend verzehrt. Wohl oder übel mussten wir das Lokal wechseln und landeten nun im Gasthaus "Zum Schwan". Hier ging der Unterricht im Morsen und in der Technik weiter, so dass schon bald einige DE-Prüfungen abgenommen werden konnten.

Das Jahr 1949 brachte für viele die ersehnten offiziellen Lizenzen, nachdem der Gesetzgeber die Voraussetzungen hierfür geschaffen hatte. Die ersten Lizenzen im OV Heidelberg waren DL 1 L, DL 1 LO, DL 1 LR, und DL 1 LS. Im selben Jahr folgten dann DL 3 CT, DL 3 NK, DL 3 NM, DL 3 NN, DL 3 NO und etwas später DL 3 RO, DL 3 RP und DL 3 RQ. in gesellschaftlich technischem Mittelpunkt stand die erste Omnibusfahrt mit Senderbesichtigung nach Mühlacker. Auf der Fahrt wurde selbstgebackener Kuchen verzehrt, ein Ereignis, das wohl nur der zu würdigen weiß, der diese Zeit der allgemeinen Knappheit bewußt miterlebte.

Das nächste Jahr führte den WBRC zu einer Tagung nach Heidelberg auf die Philosophen-Höhe und an den Schloßwolfsbrunnenweg. Der erste Field-Day wurde auf 2 mtr. und auf 80 mtr. abgehalten. Die Mitgliederzahl erreichte inzwischen 40. Den Höhepunkt nach außen bildete eine Fahrt von 12 OV-Mitgliedern nach Bad Homburg, wo am 10.9.50 der DARV e.V. als Gesamtverband gegründet wurde. Die Festveranstaltung erlebten die Abgesandten des OV Heidelberg bei einer gemeinsamen Flasche Wein im "piekfeinen" Ritters-Parkhotel. Hier kostete damals eine kleine Flasche Coca-Cola schon 75 Pfgfl !! Für eine arme Amateur-Börse ein wahrhaft stolzer Preis!

Die Arbeit im OV ging weiter. Viele beteiligten sich bei den ersten UKW-Wettbewerben, wie überhaupt die meisten aktiven OMs mehr zu den kürzeren Wellen tendierten. Dies ist bis auf den heutigen Tag so geblieben und liegt vermutlich mit an den topographischen Gegebenheiten. Es soll aber nicht heißen. dass die klassischen KW-Bänder deshalb verachtet würden! Auch hier haben die Mitglieder des OB Heidelberg beachtliche Erfolge zu verbuchen. Ein wenig kam die Ausbildung und die Aktivität auf den Bändern ins Stocken, als es darum ging, das Dachgeschoss eines Hauses in der Friedr. Ebert-Anlage als künftiges OV-Heim auszubauen. OM Robert Bonsen, DL 3 RQ, hatte uns durch seinen Onkel diese Möglichkeit geschaffen, um endlich aus den Gasthaus-Nebenzimmern herauszukommen. Nach eifrigem Bemühen vieler OV-Mitglieder gelang das Werk und diente fortan als Unterrichts- und Versammlungsraum. Selbst Lizenz-Prüfungen wurden hier durch Herrn Carqué von der OPD Karlsruhe abgenommen. Der Abschluss dieses ereignisreichen Jahres bildete eine Weihnachtsfeier, die alle Teilnehmer wohl nie vergessen werden! Besonders die gelungene Lösung des Problems, wie man um 1 Uhr nachts ohne Wasser einen Kanonenofen zum Abkühlen bringt, wird vielen in dauernder Erinnerung bleiben! 

Im Jahre 1951 rollte der OV Heidelberg mit mehreren Pkw´s nach Wolfsheim, um den neuerbauten Rheinsender des SWF zu besichtigen. In Heidelberg wurder fleißig weiter gelernt und auf den Bändern gearbeitet. Als Krönung erhielt mancher seine Lizenz oder seine DE-Urkunde.

Leider fand ein Jahr später das schone Dachstübchen-Dasein ein plötzliches Ende. Aus baupolizeilichen Gründen musste unser mit so viel Schweiß und Mühe errichtetes Clubheim wieder aufgegeben werden. und wieder war es ein Nebenzimmer, diesmal im "Braustübl", das uns über ein Jahr als Unterrichtsraum dienen musste.

Das Jahr 1954 brachte uns unverhofft ein neues "Clubheim" in der ehemaligen Villa Bergius in der Albert-Überle-Straße. Hier standen über 60 Zimmer und Laborräume leer! Wir begnügten uns allerdings mit 2, gelegentlich auch 3 Räumen für Unterricht und gemütliches Beisammensein. Die erste Clubstation wurde installiert und in Betrieb genommen. Mittlerweile war der OV auf etwa 70 Mitglieder angewachsen, von denen etwa die Hälfte lizenziert war.

Eine zweite Besichtigung des Rheinsenders verbunden mit einer Fahrt nach Bingen und zum Niederwald-Denkmal bildete den Höhepunkt dieses Jahres. Aber auch die Weihnachtsfeier in unserer Villa förderte den inneren Zusammenhalt der OV-Mitglieder.

Im Jahre 1955 musste der OV die Distriktstagung ausrichten. Als besondere Attraktion ließen wir Sitzung und gemütlichen Teil auf dem Nackardampfer „Heimat“ vonstatten gehen. Das Schiff fuhr von Mannheim über Heidelberg nach Neckarsteinach. Hier konnten während eines Aufenthaltes die Burgen besucht werden. Am Nachmittag ging die Fahrt wieder zurück nach Mannheim.

Neben der stetigen Ausbildung im OV machten wir in den folgenden Jahren gemeinsame Auto- oder Omnisbus-Fahrten nach Straßburg (1956), Stuttgarter Fernsehturm (1957), Rothenburg und Schwäb. Hall mit Zeltlager (1958) und zur Hornisgrinde (1959).

Das relativ ungezwungene Leben in der Villa Bergius wurde im Jahre 1959 beendet, weil das Gebäude für das Physikalische Institut wieder hergerichtet werden sollte. Durch gute Beziehungen unseres OV V konnten wir für die folgenden Jahre die Unterrichtsräume des Technischen Hilfswerkes in der Unteres Neckar-Straße mitbenutzen. Auch die Clubstation konnte hier wieder in Betrieb genommen werden. Dank der günstigen Räumlichkeiten konnte die Ausbildung intensiviert werden. Der OV Heidelberg hat bis heute jeden Mittwoch Abend Unterricht im Hören und Geben, Technik und Betriebstechnik. Auch das gemütliche Beisammensein kommt dabei nicht zu kurz.

Die nächsten Jahre brachten besonders den jüngeren OMs Radfahrten in die nähere und weitere Umgebung von Heidelberg. In jedem Jahr trafen wir uns zur Weihnachtszeit mit Familienangehörigen im Clubheim. Es gab gebratene Hähnchen, belegte Brote, Glühwein und andere aufmunternde Getränke.

Im Jahr 1962 bekam OM Knigge, DJ 1 GQ, eine A 5 – Sondergenehmigung und begann mit TV-Ausstrahlungen auf 435 MHz. Ihm folgten bald weitere OMs und beteiligten sich an den ersten Gehversuchen.

Im Oktober 1962 legte der bisherige OVV Herwart Sütterlin, DL 1 LS, sein Amt aus beruflichen Gründen nieder. Als Nachfolger wurde Lothar Heidel, DL 3 NM, gewählt. In seine Amtszeit fiel auch das zweite Distriktstreffen in Heidelberg. Das Hotel „ Schwarzes Schiff“ mit dem bekannten Blick auf das Heidelberger Schloss diente als Tagungs- und Sitzungslokal. Der aus diesem Anlass obligatorische Mobilwettbewerb fand im Raum Heidelberg – Ilvesheim – Ladenburg statt. Für noch einmal 2 Jahre übernahm DL 1 LS den OV, sodass seine Amtszeit als OVV insgesamt 17 Jahre beträgt. Anschließend musste er den Vorsitz endgültig abgeben, weil er als UKW-Referent des DARC gewählt wurde und in dieser Eigenschaft kein weiteres Amt begleiten durfte.

Im August 1965 beschickten die OMs Knigge und Sütterlin die Funkausstellung in Stuttgart mit der neuesten Sparte des Amateurfunks: Amateur – Funk – Fernsehen. DL 1 LS sendete vom Königstuhl auf 435 MHz nach Stuttgart, während DJ 1 GQ zusammen mit DJ 5 EM im Amateurfunkpavillon Studio- und Sendebetrieb vorführte.

Im Herbst desselben Jahres übernahm nun Heinz Altenberg, DJ 0 JP, die Geschäfte des 1. Vorsitzenden. Er gab dem OV, wie sich bald zeigte, manchen neuen Akzent. Die Hauptaufgabe des Ortsverbandes, jungen Menschen unser Hobby näher zu bringen und sie zu Funkamateuren auszubilden, konnte unter seiner Leitung zielstrebig weitergeführt werden. Aber auch die Geselligkeit lag ihm immer am Herzen.

1967 war die Clubversammlung des DARC zu Gast in Heidelberg (Schrieder-Hotel). Der Ortsverband hielt seine letzte Veranstaltung in der Unteres Neckarstraße ab. Denn im folgenden Jahr zog das THW und damit auch der OV Heidelberg in andere Räumlichkeiten in die Alte Eppelheimerstraße um. Der erste mittlerweile zur Tradition gewordene Field-Day auf dem Maisberg bei Nussloch wurde ins Leben gerufen. Es war ein voller Erfolg, und wir beschlossen eine jährliche Wiederholung dieser Veranstaltung.

Als erstes eigenes Gerät beschaffte der OV einen HW als Bausatz. Ihm folgten später noch ein MTR 25 und ein HW 20.

Besonders erwähnenswert ist der Field-Day des Jahres 1969, als zu nachmitternächtlicher Stunde eine Horde Halbstarker auf Motorrädern den Zeltplatz des OV heimsuchten. Sie hatten allerdings nicht mit unseren Funkmöglichkeiten gerechnet. DJ 1 EQ, der gerade eine Verbindung mit einer Kölner Station tätigte, alarmierte über diesen OM per 600 Ohm die ortsansässige Polizei, die wenige Minuten später die ungebetenen Gäste verscheuchen konnte!

Um Heidelberg das Funkamateur-Hobby näher zu bringen, veranstaltete der OV im Kaufhaus Horten einen Tag der offenen Tür. Viele Besucher kamen und sahen interessiert dem Betrieb von 4 Funkstationen zu. – In dankenswerter Eigeninitiative gründete DJ 5 QL, Otto Wiesner, eine CW-Arbeitsgemeinschaft. Der Field-Day, die neueingerichteten Filmabende und das Weihnachtstreffen erfreuten sich wachsender Beliebtheit. Die Mitgliederzahl stieg auf 130 an.

1971 wurde eine UKW-Relaisfunkstelle mit dem Call DB 0 ZH auf dem Königstuhl installiert. Die Hauptbeteiligten am Bau dieser Station waren DJ 1 CN, DJ 1 GQ, DJ 9 FT und DL 1 LS. Nach einigen technischen Änderungen, besonders der Antennenanlage, arbeitet das Relays zur Zufriedenheit vieler Benutzer. Ein böser Störer wurde durch einen Blitzeinsatz im Pfälzer Wald unschädlich gemacht. Dies war für den OV die erste und gleichzeitig erfolgreichste „Fuchsjagd“, deren Ergebnis allerdings nicht für ein Diplom gewertet wird! Ein Relays – Treffen im November und das Weihnachtstreffen beendeten die offiziellen Veranstaltungen dieses Jahres.

Im Jubiläumsjahr begann wie in den vergangenen Jahren ein neuer Technikkurs (DL 1 LS) und ein Morsekurs, der neuerdings durch eine Lektion „Englisch für Funkamateure“ erweitert ist (DJ 1 EQ). Wie schon 1971 wird ein Tag der offenen Tür in den Clubräumen abgehalten. Der Erfolg ist ein weiterer Mitgliederzuwachs. Ein großer Erfolg wird auch in diesem Jahr der Field-Day vom 9./10. September, der Groß und Klein, Jung und Alt aus Nah und Fern zu gemütlichen und fröhlichen Stunden auf dem Maisberg vereinigt. Nebenbei wird das OV-Call DL 0 HD auf vielen Bändern in die weite Welt getragen.

Last but noch least wollen wir das Heidelberger Presse erwähnen, die uns in den vergangenen Jahren durch viele Veröffentlichungen unterstützt hat. Nicht zuletzt durch diese Öffentlichkeitsarbeit, besonders vom OM Alfred Dammer, sind unser Hobby und die Arbeit im Ortsverband weiten Teilen der Bevölkerung bekannt gemacht worden.

Der Ortsverband Heidelberg hat zum Ende des Berichts-Zeitraumes 168 Mitglieder, von denen 78 lizensiert sind. Von 1947 bis heute haben dem OV insgesamt 347 Mitglieder angehört.